Meinem inneren Kind Vertrauen schenken

Hallo, ich grüße dich ganz herzlich. Heute habe ich ein Thema ausgesucht, das immer wieder bei mir und in meiner Arbeit auftaucht.

 

Du erfährst Dinge in deinem Leben, denen du dich nicht gewachsen fühlst.  Du hast das Gefühl zu scheitern und nichts so richtig zustande zu bringen. Selbst in einfachen Situationen ziehst du dich zurück, hast Angst und fühlst dich wie ein kleines Kind.

 

Du weißt, du bist einmalig und einzigartig.  Du verstehst dich zwar nicht immer, aber du nimmst deine Gefühle wahr und nur du kannst deinen eigenen Kurs bestimmen. Das habe ich schon so oft versucht, wirst du jetzt vielleicht sagen, aber ich trete immer wieder ins Fettnäpfchen oder mache ganz ähnliche unangenehme Erfahrungen. Du fühlst dich machtlos und ratlos und kannst dich selbst nicht finden.

 

Manchmal liegt es daran, dass wir abgeschnitten sind von unseren Persönlichkeitsteilen. Dann finden wir keine Ruhe und keinen inneren Frieden.

 

Was können wir selbst tun?

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Gedicht für mein inneres Kind
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Das innere Kind würdigen

 Vielleicht erinnerst du dich an ein Ereignis aus deiner Kindheit, bei dem du sehr traurig warst, das dich zutiefst getroffen hat. Womöglich hast du dich dabei noch sehr alleine gefühlt, konntest gar nicht so recht mit dem umgehen, was da geschehen ist und keiner war da, um dir zuzuhören oder um dir zu helfen.

 

Möglicherweise spürst du sogar jetzt noch diese heftigen Gefühle. Und wenn du in eine Situation gerätst, in der du dich ängstigst, dann erlebst du genau diese alten, eingeprägten Gefühle wieder.

 

Möchtest du dir Zeit nehmen, um mit diesem Teil von dir in Kontakt zu gehen? Dann sei erst einmal gut zu dir, nimm dir vielleicht eine Decke und kuschle dich hinein, oder zieh dir deinen Lieblingspulli an, mach es dir so bequem wie möglich. Koche dir, wenn du magst, einen leckeren, wärmenden Tee. Dir soll es gut gehen.

Du kannst dich zuvor erden, indem du sanft ein- und ausatmest und den Boden unter deinen Füßen wahrnimmst. Dabei kannst du  in deine Füße hineinspüren, nimm wahr wie sie da stehen.

 

Wenn du so weit bist,  kannst du zwei Stühle hinstellen, einen für dich und einen für das Kind, das in dieser schmerzlichen Situation war. Das hilft dir, deine Gefühle mehr zu beobachten. Du nimmst sie quasi aus dir heraus. Dann setze dich auf deinen Stuhl und fühle dich erst einmal in diese Situation ein. Was nimmst du wahr, wie fühlst du dich? Lasse sanft deinen Atem fließen. Belasse ihn so wie er ist. Du musst nichts ändern.

 

Wenn du zum ersten Mal deinem inneren Kind gegenübersitzt bzw. zum ersten Mal mit ihm Kontakt aufnimmst, dann lass dir Zeit. Du kannst dich dem Kind zuerst einmal vorstellen und ihm sagen, dass du dir jetzt Zeit für es nehmen willst, dass du jetzt ganz für es da bist. Sprich ganz liebevoll mit ihm. Du bist die Erwachsene und du bist heute handlungsfähig.

 

Erinnere dich an dieses kleine Wesen, das damals so hilflos war und gib ihm vielleicht deine Hand. In deiner Vorstellung kannst du es auch halten. Wenn du das unterstützen willst, kannst du auch ein Kissen für das Kind auf den Stuhl legen, um es dann gegebenenfalls  in den Arm nehmen zu können. Das schafft ein tieferes Erleben und erleichtert  die Kontaktaufnahme. Spür dich selbst hinein, was das Beste ist. Nur du kannst es herausfinden.

 

Es kann auch sein, dass dein inneres Kind keinen Kontakt will, dann sei vorsichtig mit dem Halten. Ich werde später noch näher darauf eingehen.

Wenn du merkst, dass das Kind dir antworten möchte, dann setze dich auf seinen Stuhl und sprich nun das, was das Kind dir mitteilen möchte. Manchmal genügt es schon, dass du da bist und Blickkontakt aufnimmst oder das Kind hältst und ihm sagst: "Ich lass dich nicht mehr alleine." Es braucht vielleicht Zeit, bis es zu einer Antwort bereit ist.

 

Wichtig ist es, dass das Kind unsere Stimme hört, die Stimme der/des Erwachsenen. Es entsteht dadurch eine Vertrautheit, eine viel stärkere Nähe. Deshalb führe diesen Dialog mit einer laut hörbaren Stimme und rede nicht nur in Gedanken mit dem Kind. Genauso ist es empfehlenswert, die Worte deines Kindes laut auszusprechen, denn das verleiht dem Kind mehr Präsenz. Es fühlt sich nicht mehr so verloren und weiß, dass es gehört wird.

 

Wie bereits gesagt, kann das Kind auch misstrauisch sein, kann nichts mit dir anfangen oder es ist sehr enttäuscht, dass du dich so lange nicht um es gekümmert hast. Es braucht erst einmal eine Weile, um dir wieder zu vertrauen. Dann kann es sogar sinnvoll sein, dem Kind Zeit zu geben, um sich an die Erwachsene/den Erwachsenen gewöhnen zu können. Bleibe einfach im Kontakt und sprich sanft und liebevoll.

 

Ich versichere dann meinem Kind, dass ich mich wieder um es kümmere, zu einem anderen Zeitpunkt, wenn es für mich passt. Oder ich nehme mir jeden Tag ein paar Minuten Zeit, um mit diesem Anteil zu reden, gebe ihm Zuwendung und meine Liebe. Dann male ich mit ihm vielleicht ein Bild, mache einen Spaziergang in der Natur oder singe und tanze. So kann allmählich Vertrauen wieder aufgebaut werden und es wird etwas Neues entstehen.

 

Bisher hat das Kind nur an dieser Erfahrung von damals festgehängt, hat sich z.B. eingeprägt: Ich bin alleine. Dann wirst auch du dich heute immer wieder in Situationen wieder finden, in denen du dich alleine fühlst.

 

Was auch immer unser Erleben war, wir müssen heute nicht mehr machtlos zuschauen. Wir können es in die Hand nehmen und unserem Kind zur Seite stehen. Wir haben so viel Potenzial in uns drin, so viele mütterliche und väterliche Qualitäten, dass wir immer mehr auf unser Kind zugehen können. Eine Qualität ist das Zuhören. Deshalb ist es so wichtig, in diesen Dialog zu gehen und das Kind zu Wort kommen zu lassen, zu hören, was es zu sagen hat, seine Gefühle zu spüren, mitzufühlen und ihm durchaus auch in Worten seine Gefühle zu beschreiben.

 

Es mag sein, dass da Ablehnung oder Kälte vorhanden sind oder es gibt Momente voller Liebe und Wärme. Es ist sehr lohnenswert, sich auf diese Gefühle einzulassen und sie dem Kind zu schildern. Es nützt auch nichts, dem Kind zu sagen du musst oder du sollst, denn dadurch verliert es den Halt. Um dir zu vertrauen braucht es eine Weichheit, ein du kannst, du darfst. Alle Gefühle, die auftauchen sind ganz in Ordnung. Erlaube ihnen da zu sein. Das Kind braucht ganz besonders jetzt dein Verständnis.

 

Durch diesen Dialog wird das Kind wieder in dein Leben integriert. Es wird Wertschätzung geschaffen und Selbstvertrauen kann entstehen. Es kann eine lebenslange Aufgabe sein, mit diesen Anteilen zu teilen. Da können auch schöne Erlebnisse darunter sein. Wir müssen nicht nur das Traurige, das Belastende miteinander teilen.Diese Übung schafft Wertschätzung und Selbstvertrauen sich selbst gegenüber. Ängste können weichen und alte Verhaltensmuster können sich auflösen. Mein inneres Kind hatte Angst vor zu viel Nähe. Je öfter ich es selbst in den Arm nahm, umso mehr konnte es sich auch für die Umarmungen durch andere öffnen und sich zeigen.

 

 

Genussvolle Momente schaffen

Um mehr Passion in unser Leben zu bringen, kann es gut tun, die positiv erlebten Geschehnisse in unserem Leben wieder wach zu rufen.

Wenn es für dich stimmig ist, dann setze dir mal ein zufriedenes Kind gegenüber und lass dich von ihm inspirieren. Spüre seine Vollkommenheit, seine Liebe, die Harmonie, die in ihm vorhanden ist und genieße diese Gefühle. Hier wirst du spüren, dass positive Energie fließt und es genügt oft, das Kind einfach nur anzuschauen.

 

Manchmal dauert es ein bisschen, bis du dieses schöne Gefühl wirklich wahrnimmst.

 

Vielleicht entsteht auch kein Blickkontakt, weil das Kind in eine Tätigkeit vertieft ist, bei der es besser ist, es nicht zu stören. Auch hier gilt: liebevoll und einfühlsam mit der Situation zu sein und dem Kind Zeit zu geben. Eine vorsichtige und rücksichtsvolle Umgangsweise ist notwendig, damit Vertrauen entstehen kann. Es kann genügen, einfach nur  diese wundervolle Kraft, die von der Präsenz des Kindes ausgeht, zu fühlen.

 

Wenn es dir nicht gleich gelingt, versuche es zu einem anderen Zeitpunkt nochmal. Es ist empfehlenswert, den Anteil kommen zu lassen, der sich gerade zeigen will und dem, was sich ergibt, einfach intuitiv zu folgen.

 

 

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