Du musst dich doch nicht schämen - ein Life Coaching in Reimform

Heute widme ich mich einem Thema, das uns besonders leicht den Boden unter den Füßen wegzieht.

 

Sicher ist jeder schon einmal in seinem Leben der Scham begegnet und hat sich vielleicht gefühlt als würde die Welt zusammenbrechen. Dann hieß es womöglich auch noch : "Du musst dich doch nicht schämen. Das ist doch nicht so schlimm."   So wurde das Gefühl verdrängt und wurde zu  etwas, das nicht sein darf, zu einer Blockade oder sogar zum Energiefresser.

Warum das so ist und wie wir lernen können, damit wieder umzugehen erzählt das folgende Gedicht. Für alle, die wieder mehr im Leben stehen wollen und die sich selbst besser spüren wollen will es eine Hilfe sein.

 

Lieber tot als lebendig. Kennst du solche Situationen, wo du am liebsten im Erdboden versinken möchtest, gar nicht da sein magst?

Wenn die Peinlichkeit einfach nicht aus deinem Leben verschwindet, dann schaufelt sie dir ganz langsam und stetig dein Grab.

 

Gefühle annehmen

Dann bist du versunken in Panik und Angst. Nichts bleibt mehr übrig, worauf du dich freuen kannst.

Ein roter Faden zieht sich durch dein Leben und spinnt weitere Fäden.

Dir fehlt der Glanz, du verzichtest auf Tanz, freudlos bist du und überhaupt nicht ganz.

Du bist in tausend Teile zerlegt, es gibt nichts, was dein Gemüt erregt.

Du schlenderst auf einer Wolke aus Eis, die Peinlichkeit wirft dich aus dem Geleis.

Du rutschst aus auf der Glätte und suchst eine sichere Stätte.

 

Hast du sie gefunden, dann werden Sekunden zu Stunden und du beginnst, deine Peinlichkeit zu umrunden.

Siehst ihr nicht ins Gesicht, tust halt deine Pflicht, erhöhst dein Gewicht und hinderst dein Licht vollends zu scheinen.

Man könnte meinen, dass du es nicht bist, die da so ohne Gefühle ist.

 

Kein Zorn beginnt sich zu regen, du scheinst die Peinlichkeit zu pflegen und ziehst dich zurück. Das Leben bringt dir kein Glück.

Hinter all dem steht meist ein Erlebnis als Kind und du weißt, wie unnahbar Kinder sind, wenn sie sich schämen, sich für ihr Verhalten grämen.

Das macht sie blind. Blind zu sehen in die Welt, blind zu sehen, was sie hier hält.

Und sie haben es verlernt, fröhlich zu sein. Dunkelheit zieht bei ihnen ein und kann sie lähmen, weil sie sich so schrecklich schämen.

 

In dunkelster Nacht bin ich erwacht, habe Licht in die Dunkelheit gebracht, begann die Scham wahrzunehmen.

Ich spürte meine Angst, dass sie mich verlachen, dass sie sich über mich lustig machen, mich verhöhnen und ich begann, mich mit meiner Scham zu versöhnen.

 

Mein Schamteil hat viel zu überwinden, um den Kontakt zu mir wieder zu finden.

Ganz langsam wird er wach und schaut mir zu, was ich mach.

Er zeigt mir den Grund, wofür ich mich schäme, all das, was ich an Lasten auf mich nehme.

Das tut ganz schön weh, wenn ich in meine Gefühle geh.

 

Um die Scham zu spüren, muss ich mich in Abgründe führen. Daraus gibt es scheinbar kein Zurück und ich bleibe abgeschnitten vom großen Glück.

Um meine Gefühle zu erfahren brauche ich einen klaren, einen tiefgründigen Blick und viel Geschick, um zu diesem Abgrund zu gelangen und meine Gefühle wieder einzufangen.

 

Ich gehe auf sie zu und heiße sie willkommen. Sie sind noch ein wenig beklommen, nachdem sie den Abgrund erklommen. Zuerst waren sie noch ziemlich verschwommen.

Doch dann wird mir klar, was ich da sah. Eine ziemlich verwaiste Kleine steht  vor mir und ich denke: "Endlich bist du hier. Lange habe ich auf dich gewartet, bin nicht in den Erfolg gestartet, legte mich selbst lahm wegen deiner großen Scham."

Mitten ins Herz trifft mich ihr Schämen und es sollte mich nicht länger mehr lähmen. Sachte klettere ich zu ihr hinab, beginne sie in den Arm zu nehmen. Ich erlaube ihr, sich zu schämen.

Sie ist erstaunt, dass ich das sage, denn es nagt noch immer ihre Schuld. Mit viel Geduld wird der Kleinen langsam klar, dass Schämen kein Verbrechen war.

Sie darf sich jetzt schämen und grämen, ihr Tun bereuen. Sie scheint sich darüber echt zu freuen.

 

Lange habe ich das Schreiben vermieden, lebte total abgeschieden und konnte mich nicht trauen, eine Beziehung zu Menschen aufzubauen.

Wurde nicht zu dem Kind gesagt: "Du musst dich nicht schämen?" Und so  blieb ich stecken in meiner Scham und sie legte mich lahm.

"Es ist gut, sich zu schämen für das, was man getan hat, das darf sein. Ich lass dich jetzt nicht allein. Du darfst deine Gefühle spüren, wenn sie dein Herz berühren. Dazu sind sie da," sage ich der Kleinen und nehme ihre Zufriedenheit wahr.

 

Plötzlich scheint die Scham zu verschwinden, ich kann meine Unsicherheit überwinden und beginne zu schreiben. Mein Kind will bei mir bleiben und es darf so sein wie es wirklich ist und auch die Erwachsene misst jetzt mit einem anderen Maß, auch wenn sie lange vergaß: Man darf sich schämen und grämen.

Auch sie erlebt diese Gefühle neu, verliert ihre alte Scheu und bleibt sich selbst treu.

 

Ich wollte all diese Erfahrungen sammeln, mich zurückziehen und verrammeln, bis ich begann, meine Scham zu bemerken und anfing, meine Kleine zu stärken.

Kommen unsere Gefühle ins Lot, suchen wir nicht mehr den Schmerz und den Tod.

Ich stelle fest, dass ich mich für alles schämte und dass es mich unendlich lähmte, dass ich das nicht durfte, wenn ich Kaffee schlurfte, zu laut lachte, blöde Witze machte, an jemanden nicht dachte.

Das zog sich so dahin und ich saß mittendrin.

Ich musste mich ständig schämen, mein Wirken lähmen, damit ich's endlich seh, sich nicht schämen dürfen tut weh.

So gebe ich der Scham jetzt Raum und erfülle mir meinen Traum.

Meinen Traum vom Frieden, denn ich habe mich vom "Das tut man nicht" geschieden.

 

Beginne, deine Scham zu spüren, die Aufmerksamkeit nach innen zu führen.

Atme sanft und tief, wenn es sein soll, dann schnief und feiere ein Fest, weil du dich Ich sein lässt.

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